Bis auf den letzten Tropfen

El Ejido ist eine südspanische Stadt in der autonomen Region Andalusien, gehört zur Provinz Almería und zu den trockensten Landstrichen Spaniens. Im milden Mittelmeerklima wachsen dort zum Beispiel das ganze Jahr über jene Gurken, Paprika und Tomaten, die die Regale der europäischen Supermärkte füllen. Den Bauern geht langsam das Wasser aus, mit dem sie ihre Plantagen bewässern. Bodenerosion, Düngemittel und Wüstenbildung tragen ebenfalls zur Zerstörung der Ackerböden bei.

Die zahlreichen Gemüsesorten werden in Treibhäusern angebaut. 35.000 Hektar der Provinz Almería werden von den Treibhausplantagen bedeckt. Sie reichen bis an die Häuser der Wohnviertel heran, säumen die Schnellstraßen und umschließen die Ortschaften. Damit ist hier die weltweit größte mit Plastikfolie überzogene Anbaufläche entstanden. Ein Großteil der 76.000 Einwohner lebt vom Gemüseanbau. Er brachte Wohlstand für die Bevölkerung (für die illegal beschäftigten Immigranten allerdings nicht, denn diese arbeiten dort unterbezahlt und unter menschenunwürdigen Bedingungen). Heute ist die Stadt aus der ehemals ärmsten Region Spaniens diejenige, die über eins der höchsten Pro-Kopf-Einkommen des Landes verfügt. Pro Jahr werden etwa drei Millionen Tonnen Treibhausgemüse produziert. Mehr als die Hälfte der Ernte geht per Lkw in westeuropäische Länder. Die Umgebung von El Ejido hingegen gleicht einer unfruchtbaren und steinigen Wüste. Die Stadt liegt in einer der trockensten Regionen Spaniens. Angebaut wird allerdings Gemüse, das ständig bewässert werden muss. Allein eine 70 Gramm wiegende Tomate benötigt 13 Liter Wasser bis zur Reife. Die Landwirtschaft benötigt 75 % der verfügbaren Trinkwassermenge in Andalusien. Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch, werden doch beispielsweise für den Anbau von Tomaten unter Plastik pro Jahr und Hektar 6.370.000 Liter Wasser verbraucht. Umgerechnet auf das ganze Anbaugebiet von 35.000 Hektar entspricht das einer Menge von 222,95 Milliarden Litern.

Woher kommt das Wasser für die Bewässerung der Treibhäuser? Ursprünglich wurde das unterirdisch liegende Flusssystem genutzt. Dieses Jahrtausende alte Grundwasser ist längst nicht mehr ausreichend. Neben den staatlich erlaubten gibt es zahlreiche illegale Brunnen. Außerdem wird Wasser aus dem Norden des Landes in den Süden transferiert. Staudämme sammeln Wasser aus dem Norden, das mithilfe eines riesigen Kanalsystems in den Süden geleitet wird. Spanien verfügt mit 1.300 Stauseen, die die riesige Menge von 50 Kubikkilometern Wasser speichern könnten, weltweit über die höchste Zahl an Stauseen pro Einwohner. Die Niederschläge in Spanien nehmen jedoch ab. Die Staudämme werden kaum mehr richtig voll. Auch in jüngster Zeit wurden noch ehrgeizige Wassertransferpläne verfolgt. Im Jahr 2003 plante die spanische Regierung, einen 1000 Kilometer langen Kanal anzulegen, um drei Viertel des Wassers aus dem Ebro nach Murcia und Almería zu bringen. Das Wasser sollte verwendet werden, um die 500.000 Hektar große Wüste zu bewässern. Dieses Projekt hatte zahlreiche Gegner, denn damit einher wäre die Zerstörung des Ebrodeltas gegangen. Das Ebrodelta gehört zu den wichtigsten geschützten Feuchtgebieten Südeuropas. Nach dem Regierungswechsel 2004 schenkte man den Kritikern Gehör und ließ von dem Projekt ab. Wie lange es in Almeria noch genügend Wasser für die Bewirtschaftung der Plantagen gibt, ist ungewiss. Mehrere hundert Meter tief bohren die Landwirte Brunnen, um ihre Plantagen bewässern zu können. Die Übernutzung des Grundwassers in Küstennähe bringt ein für die Mittelmeerküste typisches Problem mit sich. Der Grundwasserspiegel der Gegend ist im vergangenen Jahrzehnt drastisch gesunken. Jetzt drückt Meerwasser in die oberen Schichten und versalzt sie nach und nach. Die Bauern setzten nun auf das Wasser aus der nahegelegenen Entsalzungsanlage bei Carboneras (Cabo de Gata-Almeria), die auch zugleich die größte Europas ist. Meerwasserentsalzungsanlagen sind jedoch enorm energie- und kostenintensiv, was die Produkte (Obst und Gemüse) erheblich verteuert und diese im Grunde nicht mehr marktfähig macht. Das so gewonnene Süßwasser wird für die Bauern erheblich subventioniert, denn es ist doppelt so teuer wie das Wasser aus den Brunnen und den Stauseen. Hinzu kommt, dass das entzogene Salz als Sole wieder ins Meer zurückgeleitet wird. Dadurch wird der Salzgehalt des Meeres verändert, was wiederum in den betroffenen Küstenbereichen negative Folgen auf Fischbestände, Korallen und Wasserpflanzen hat. Guter Rat wird auf jeden Fall teuer sein, um langfristig eine ökologisch und ökonomisch vertretbare Lösung für die Region zu finden.

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