Kommentar Februar 2019 | Methyl-Quecksilber

Fünf Tonnen Quecksilber pusten zum Beispiel deutsche Kohlekraftwerke nach Aussagen von Forschern pro Jahr in die Luft. Das sind zwei Drittel des gesamten deutschen Ausstoßes – und diese Zahl ist seit Jahren fast unverändert. Das Schwermetall ist in Spuren in der gesamten Erdkruste enthalten und kommt deshalb auch in Pflanzen und daraus entstandener Kohle vor.

Wegen der großen Mengen Kohle, die z.B. in Deutschland trotz Energiewende weiterhin verbrannt werden, gelangen Tausende Kilogramm Quecksilber in anorganischer Form in die Atmosphäre. Durch menschliche Aktivitäten gelangen jährlich ca. 30 % des gesamten Quecksilbereintrags in die Atmosphäre. Dazu zählt die Breits erwähnte Verbrennung von Kohle, weitere Quellen sind der Bergbau, die Verhüttung und Produktion von Eisen und Nichteisenmetallen, die Zementproduktion, die Öl-Raffinerie, der Goldbergbau, Abfälle aus Verbrauchsgegenständen, Zahnamalgam, die Wiederverwertung von Altmetallen, die Produktion von Vinylchlorid – Monomer (VCM) aus Acetylen (hauptsächlich in China) und die Chlor-AlkaliIndustrie .

Natürliche Quellen der weltweiten Quecksilberemissionen sind die Verwitterung quecksilberhaltiger Gesteinsschichten und Vulkanausbrüche. Neuere Modelle, die die Verteilung von Quecksilber in der Umwelt berechnen, vermuten, dass ca. 10 % der geschätzten 5500-8900 Tonnen Quecksilber, die sich im globalen Umlauf befinden, aus diesen natürlichen Quellen stammen.

Durch Niederschlag gelangt es so auch ins Meer dort wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko für den Menschen, besonders für Schwangere und Kleinkinder.

Sehr hoch belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Schwert- und Thunfische. Aber auch in anderen Fischen wie Lachsen, Aalen, Seeteufeln und Forellen ist das Nervengift Quecksilber zu finden. Nichtsdestotrotz werden jährlich ca. 80 Mio. Tonnen Fisch gefangen. Je mehr quecksilberkontaminierter Fisch verzehrt wird, desto höher ist  das Risiko für eine Quecksilberbelastung des Organismus. Bei einer wöchentlichen Aufnahme von 1,6 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht ist die extrem toxische Höchstmenge erreicht.

Methyl-Quecksilber zählt zu einer der schädlichsten Substanzen, mit denen ein Mensch im täglichen Leben in Kontakt kommen kann. Seine Giftigkeit beruht auf der Schädigung mehrerer lebenswichtiger biochemischer Reaktionen, die zu vielfältigen neurologischen, immunologischen, hormonellen und kardiovaskulären Beschwerden führen kann. Der volkswirtschaftliche Schaden, der allein durch die Methylquecksilberbelastung von Neugeborenen in Europa entsteht, wird auf 8000 bis 9000 Millionen Euro jährlich geschätzt. Dieses Schwermetall ist ein Element des Periodensystems und somit von keinem Lebewesen abbaubar. Als Konsequenz daraus steigt, durch die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt, die globale Belastung kontinuierlich an. Nach dem Eintrag in die Umwelt verteilt sich Quecksilber zyklisch zwischen Luft, Land und Wasser. Eine zeitweise Elimination aus diesem Kreislauf findet statt, wenn Quecksilber sich in tiefen Ozeansedimenten oder in den Sedimenten großer, tiefer Seen ablagert oder in stabilen mineralischen Verbindungen eingeschlossen wird. Quecksilber kann von einem lebenden Organismus aufgenommen, gespeichert und wieder ausgeschieden werden. Durch die Biotransformation kann die Giftigkeit des Elements innerhalb eines Lebewesens verändert werden. Einige Bakterien und Hefen besitzen die Fähigkeit anorganisches Quecksilber in das deutlich giftigere organische Methylquecksilber umzuwandeln. Diese Mikroorganismen befinden sich auch im Mikrobiom des Menschen – in der Mundhöhle und im Darm. Quecksilber kann über große Entfernungen transportiert werden und weit entfernt von dem Ort der Freisetzung zur Anreicherung in der Umwelt beitragen.

So werden nach Aussagen des UN-Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) allein in der Arktis pro Jahr rund 200 Tonnen Quecksilber abgelagert. Dies hat Auswirkungen auf die Eisbären, Ringelrobben und Narwale im Nordpolarmeer. Ein Konsortium internationaler Arktisforscher im Rahmen des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) spricht von einer zunehmenden Quecksilberbelastung. Rund 20 % der Tiere, die in den vergangenen Jahren untersucht wurden, zeigten in ihrem Körpergewebe erhöhte Konzentrationen des giftigen Schwermetalls. Besonders hohe Konzentrationen, die alle neurotoxischen Grenzwerte übertreffen, fand man im Gehirn von Beluga Walen. Zu den Bevölkerungsgruppen mit besonders hoher Quecksilberbelastung zählen Menschen, die an den Küstenregionen der Arktis, Südostasiens, des westlichen Pazifiks und des Mittelmeeres leben.

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